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Das Marienleben Musik des Mittelalters
Gesänge der Hildegard von Bingen stehen erstmals den wundervollen Liedern Adam de Saint-Victors gegenüber. Deide erzählen auf ihre Weise aus dem Leben der Muttergottes: Hildegard in großem mystischen Aufschwung und mit visionärer Strahlkraf, Adam de Saint-Victor in brillanter Sprache und mit eingängiger Melodik. Ergänzt zur Verdeutlichung der Lebensstationen Marias wird das Musikprogramm durch gelesene Texte aus Rainer Maria Rilkes 'Marienleben'.

Die beiden Komponisten Hildegard von Bingen und Adam de Saint-Victor waren Zeitgenossen. Beide hatten ihr Leben der Hingabe zu Gott gewidmet, beide hatten Kontakt zu hohen Klerikern und zum Hochadel. Hildegards Einfluß auf kirchliche und weltliche Mächte war bemerkenswert, und ihre Kenntnisse auf dem Gebiet der Theologie, der Medizin und der Künste verschafften ihr weitreichenden Respekt. Adams Leben vollzog sich hingegen weitestgehend in der Stille des Pariser Klosters Saint Victor.

Obwohl beide, Hildegard und Adam, eine modale einstimmige Musiksprache benutzen, sind ihre Ausdruckweisen sehr unterschiedlich. Die Stücke Hildegards verwenden längere Melismen, haben einen größeren Ambitus und eine sehr stark organisierte innere Struktur. Adams Musik hingegen ist – bei vergleichbarem Stimmumfang – weniger melismatisch, verwendet dagegen aber eingängige Melodiefloskeln, denen man ihren Ursprung in der volkstümlichen Musik seiner Zeit anhört.